Kurz gesagt: Viele kleine Unternehmen wissen heute mehr, als ihre Website zeigt. Ich teste deshalb, ob aus Gesprächen, Sprachnotizen und vorhandenem Website-Kontext prüfbare WordPress-Entwürfe entstehen können. Das Ziel ist keine automatische SEO-Textmaschine, sondern eine realistische Form laufender Inhaltspflege mit menschlicher Freigabe.
Dieser Beitrag beschreibt die Problem- und Produktidee hinter dem Experiment. Für die breite Frage „Kann ChatGPT WordPress pflegen?“ gibt es eine eigene Einstiegsseite: Kann man WordPress mit ChatGPT pflegen?. Wenn der Inhalt bereits klar ist und nur die Produktionsstrecke bremst, passt WordPress-Inhalte mit KI aktualisieren besser.
Viele kleine Unternehmen haben eine funktionierende WordPress-Website. Aber die Website zeigt oft nur, was beim letzten Relaunch wichtig war – nicht, was das Unternehmen heute weiß.
Während sich die Arbeit weiterentwickelt, bleibt die Website stehen. Neue Kundenfragen, Erfahrungen, Beobachtungen und fachliche Positionen landen in Gesprächen, E-Mails, Sprachnotizen oder im Kopf. Nur selten werden daraus Inhalte auf der eigenen Website.
Ich möchte herausfinden, ob sich genau diese Lücke schließen lässt: nicht mit einer automatischen Content-Maschine, sondern mit einer neuen Form der inhaltlichen WordPress-Pflege.
Wie ich auf die Idee gekommen bin
Diese Website begann als recht banales Experiment. Ich hatte einen Server, setzte darauf mit KI-Unterstützung WordPress auf und nannte das Projekt Webseite mit KI. Ich wollte praktisch testen, was möglich ist: WordPress installieren, Inhalte anlegen, SEO-Felder pflegen und die Website über einen KI-Agenten bedienen.
Daraus entstanden ein eigener WordPress-MCP-Zugang, ein kleines SEO- und Kontext-Plugin und mehrere Versuche, Content in bestehende Gutenberg-Strukturen zu übersetzen. Bei meinem Projekt Content2WP und den MCP-Actions ging es unter anderem darum, Inhalte nicht einfach als beliebiges HTML einzufügen, sondern an das bestehende Designsystem und die tatsächlichen WordPress-Bausteine anzupassen.
Die Technik war zunächst der sichtbare Teil. Interessanter wurde aber eine andere Frage:
Warum ist es für kleine Unternehmen so schwer, ihre Website inhaltlich aktuell zu halten, obwohl in ihrer täglichen Arbeit ständig gutes Material entsteht?
Technische Wartung reicht nicht
Wenn von Website-Pflege gesprochen wird, geht es meistens um Updates, Backups, Sicherheit, Plugins oder Fehler. Das ist notwendig. Es löst aber nicht das andere Problem: Die Website altert inhaltlich.
Ein Unternehmen beantwortet jede Woche Kundenfragen, macht Erfahrungen, verändert Prozesse und entwickelt seine Leistungen weiter. Auf der Website stehen trotzdem dieselben allgemeinen Absätze wie vor zwei oder drei Jahren.
Das ist kein reines Schreibproblem. Es ist ein Prozessproblem.
Vom relevanten Gedanken bis zum veröffentlichten Beitrag liegen zu viele Schritte:
- erkennen, dass eine Beobachtung überhaupt öffentlich interessant sein könnte,
- das Thema eingrenzen,
- einen Text daraus machen,
- WordPress öffnen und bedienen,
- den Beitrag an die bestehende Website anpassen,
- interne Links, SEO-Felder und Bilder berücksichtigen,
- prüfen und veröffentlichen.
Für Selbstständige und kleine Unternehmen ist diese Kette häufig zu lang. Nicht weil sie nichts zu sagen hätten, sondern weil Website-Pflege neben der eigentlichen Arbeit stattfindet.
Warum das im Umfeld von KI-Suche relevant wird
Meine Hypothese ist, dass eine Website mit wenigen allgemeinen Leistungsseiten künftig noch weniger von dem abbildet, wonach Menschen tatsächlich suchen: konkrete Fragen, Einordnungen, Erfahrungen und fachliche Perspektiven.
Google weist für seine KI-Funktionen ausdrücklich darauf hin, dass weiterhin die normalen SEO-Grundlagen gelten: Inhalte müssen indexierbar, textlich verfügbar, intern auffindbar und für Menschen hilfreich sein. Eine besondere GEO-Datei oder ein geheimer KI-Trick ist nicht erforderlich. Google: AI features and your website
Auch ChatGPT Search verwendet einen eigenen Such-Crawler, um Webseiten in Suchergebnissen auffindbar zu machen. OpenAI: Übersicht der Crawler
Daraus folgt keine Garantie auf Rankings oder Nennungen in KI-Antworten. Aber ohne eigene, indexierbare und konkrete Inhalte gibt es entsprechend wenig, woran klassische oder KI-gestützte Suche anknüpfen kann.
Es geht also nicht darum, möglichst viel Content zu erzeugen oder Aktualität zu simulieren. Google warnt selbst vor massenhaft erzeugten Inhalten ohne zusätzlichen Nutzen. Entscheidend sind echte Erfahrung, eine eigene Perspektive und hilfreiche Antworten. Google: hilfreiche, verlässliche Inhalte erstellen
Die eigene Website statt täglicher LinkedIn-Pflicht
Auf LinkedIn ist die Logik längst bekannt: Menschen teilen Beobachtungen aus ihrer Arbeit, erklären fachliche Zusammenhänge und machen ihre Expertise sichtbar.
Nicht jeder möchte dafür dauerhaft eine Social-Media-Persona aufbauen. Die eigene Website könnte einen Teil dieser Funktion übernehmen – ruhiger, dauerhafter und auf der eigenen Domain.
Ein guter Fachbeitrag kann:
- eine reale Kundenfrage beantworten,
- eine Leistung verständlicher machen,
- eine fachliche Position zeigen,
- mit bestehenden Leistungsseiten verbunden werden,
- später als Grundlage für FAQ, Newsletter oder Landingpages dienen,
- und über längere Zeit auffindbar bleiben.
Der Blog ist dabei nicht das Endprodukt. Er ist wahrscheinlich der niedrigschwelligste erste Anwendungsfall, weil die Form freier ist als bei einer Leistungs- oder Landingpage.
Die Idee: eine dialogbasierte Bedienebene für WordPress
Was wäre, wenn der Nutzer nicht zuerst WordPress bedienen müsste?
Er könnte über einen geeigneten Kanal von seiner Arbeit erzählen: in einem Chat, einer Sprachnotiz oder einem kurzen Gespräch. Ein System erkennt darin nicht automatisch „Content“, sondern prüft zunächst, ob eine tragfähige Beobachtung oder Frage enthalten ist.
Danach könnte es einen Entwurf vorbereiten, der den vorhandenen Website-Kontext kennt:
- bestehende Leistungen und Seiten,
- bereits veröffentlichte Beiträge,
- Sprache, Tonalität und unerwünschte Floskeln,
- interne Verlinkungen,
- Gutenberg-Blöcke, Layouts und Designregeln,
- SEO- und Metadaten,
- Freigabe- und Veröffentlichungsregeln.
Der Entwurf landet nicht als beliebiger KI-Text irgendwo im Chat, sondern direkt als prüfbarer Draft in der bestehenden WordPress-Website. Veröffentlicht wird erst nach menschlicher Prüfung.
Der technische Zugriff über MCP ist dafür nur ein möglicher Baustein. Ob der Nutzer später mit ChatGPT, Telegram, OpenWebUI, dem WordPress-Backend oder einer eigenen Oberfläche spricht, ist noch offen. Die entscheidende Voraussetzung ist, dass Website-Kontext und Regeln nicht im Gedächtnis eines einzelnen KI-Anbieters verschwinden, sondern als eigenes, versionierbares Artefakt erhalten bleiben.
Was Content2WP damit zu tun hat
Vor diesem Experiment habe ich bereits daran gearbeitet, vorhandenen Content in WordPress-konforme Gutenberg-Blöcke zu übersetzen. Dort ging es stärker um komplexere Leistungsseiten: Welche Section erfüllt welchen Zweck? Welcher Call-to-Action passt? Welche vorhandenen Patterns und Stile dürfen verwendet werden?
Diese Arbeit gehört zur gleichen Kette.
Ein freier Fachbeitrag kann der Anfang sein. Wenn sich darin ein belastbares Thema, eine wiederkehrende Suchintention oder ein konkretes Angebot zeigt, kann daraus später eine strukturiertere FAQ, ein Leistungsabschnitt oder eine eigene Landingpage entstehen.
Damit verbindet sich die freie fachliche Veröffentlichung mit der systematischen Website-Entwicklung.
Kein automatisierter SEO-Blog
Die Idee wäre wertlos, wenn sie nur zu mehr generischen KI-Artikeln führt.
Mehr Inhalte sind nicht automatisch eine bessere Website. Wenn KI Produktion und Pflege beschleunigt, wird die Gegenfrage sogar wichtiger: Bleibt die Website für einen neuen Besucher verständlich, glaubwürdig und orientierend? Diese Ebene bündele ich auf „Klarheit & KI“.
Die menschliche Leistung bleibt zentral:
- Der Mensch besitzt die Erfahrung.
- Er erkennt, was fachlich wichtig ist.
- Er gibt Richtung und Kontext.
- Er korrigiert Vereinfachungen und falsche Schlüsse.
- Er entscheidet, was öffentlich werden darf.
- Er übernimmt die Verantwortung für die Veröffentlichung.
Die KI kann strukturieren, Rückfragen stellen, formulieren und Verbindungen im bestehenden Website-Bestand erkennen. Sie sollte aber weder Expertise erfinden noch selbstständig alles veröffentlichen. Mehr dazu im Beitrag Was ist meine Leistung, wenn KI den Text schreibt?
Was ich mit einem zweiten realen Fall prüfen möchte
Meine eigene Website ist der erste Fall. Sie ist allerdings kein neutraler Beweis: Ich bin selbst technisch interessiert, arbeite täglich mit KI und kann den Prozess stark beeinflussen.
Deshalb suche ich einen zweiten Fall – einen Selbstständigen oder ein kleines Unternehmen mit einer bestehenden WordPress-Website und echter fachlicher Substanz.
Dabei möchte ich nicht einfach vier Artikel liefern. Ich möchte prüfen:
- Entsteht im normalen Arbeitsalltag genug brauchbares Rohmaterial?
- Ist ein Gespräch oder eine Sprachnotiz wirklich eine niedrigere Hürde?
- Erkennt das System relevante Themen, ohne aus jedem Nebensatz Content zu machen?
- Bleibt die persönliche beziehungsweise fachliche Sprache erhalten?
- Kann der bestehende WordPress-, Design- und Seitenkontext zuverlässig berücksichtigt werden?
- Wie viel Korrektur ist notwendig?
- Wird aus dem Versuch eine Routine, die tatsächlich genutzt wird?
- Entsteht daraus ein geschäftlicher Nutzen – etwa bessere Erklärbarkeit, auffindbare Fachthemen oder qualifiziertere Anfragen?
Rankings, Traffic oder Nennungen in KI-Antworten kann ein solcher Pilot nicht garantieren. Er kann aber zeigen, ob die Voraussetzung dafür verbessert wird: mehr eigenständige, konkrete und nützliche Inhalte auf der eigenen Website.
Für wen dieser Versuch interessant sein könnte
Besonders plausibel erscheint er für Selbstständige und kleine Unternehmen, die:
- bereits eine WordPress-Website haben,
- erklärungsbedürftige Leistungen anbieten,
- regelmäßig ähnliche Kundenfragen beantworten,
- fachlich viel zu sagen haben,
- aber kaum Zeit oder Lust auf regelmäßige Website-Pflege haben,
- nicht dauerhaft auf LinkedIn posten möchten,
- und bereit sind, Entwürfe fachlich zu prüfen.
Weniger passend ist der Ansatz für Unternehmen, die lediglich möglichst viele billige SEO-Texte suchen oder keinerlei Zeit in Prüfung und Freigabe investieren wollen.
Der aktuelle Stand
Die Produktidee ist noch nicht abschließend validiert. Auch wichtige technische Fragen sind offen:
- Welcher Kommunikationskanal ist im Alltag wirklich brauchbar?
- Wo wird das Website-Kontextartefakt gespeichert?
- Wie bleibt das System unabhängig von einem bestimmten Modell oder Anbieter?
- Wie werden Datenschutz, Zugriffsrechte, Backups und Rollback gelöst?
- Wie sieht eine sichere Review- und Freigabeebene aus?
Aber genau darin liegt der nächste sinnvolle Schritt: nicht ein fertiges Produkt behaupten, sondern den Kern an einem echten zweiten WordPress-Fall testen.
Interesse am Pilotversuch?
Du hast eine bestehende WordPress-Website, arbeitest in einem erklärungsbedürftigen Fachgebiet und erkennst das Problem wieder? Dann interessiert mich vor allem deine Ausgangslage:
- Welche Inhalte bleiben bei dir regelmäßig liegen?
- Welche Fragen beantwortest du Kunden immer wieder?
- Was hält dich davon ab, diese Themen auf deiner Website zu veröffentlichen?
- Wie würdest du am liebsten mit deiner Website arbeiten?
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Weitere Zusammenhänge: Warum KI-Texte oft nach LinkedIn klingen · Kann man KI-Entwürfe in der WordPress-App prüfen? · Was passiert mit Bildern?